Als Profil bildende Forschungsorientierungen der Fakultät Rehabilitationswissenschaften stehen im Vordergrund:
Die Konzepte „Umgang mit Heterogenität“ und „Managing Diversity“ zielen darauf ab, die Entwicklungs- und Leistungsfähigkeit von Individuen durch Orientierung an deren Potenzialen und Ressourcen und nicht an Normorientierungen und Defiziten zu unterstützen. In der pädagogischen Theoriebildung zielt „Umgang mit Heterogenität“ auf eine „Pädagogik der Vielfalt“, in der Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, in verschiedenen Lebenslagen, mit geschlechterspezifischen Bedürfnissen sowie nicht behinderte und behinderte Kinder und Jugendliche gemeinsam lernen können. Im Berufsumfeld geht es um die Realisierung des Diversity Management im ersten und zweiten Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund der Verschiedenheit des Alterns und der Lebenslagen im Alter wird der Umgang mit Heterogenität weiter an Brisanz gewinnen und in einem Lebensalter übergreifenden Fokus auf Kulturarbeit zum Tragen kommen.
Dieses Profilelement sieht die menschliche Entwicklung, Bildungsgeschichte und Subjektgenese nicht nur untrennbar mit den Lebensumständen, Entwicklungskontexten und Beziehungserfahrungen verbunden, sondern auch mit den für sie verfügbaren materiellen, sozialen und psychischen Ressourcen. Das Leben entfaltet sich in einer kulturellen Welt, die maßgeblich durch technische Entwicklungen (von den einfachen Werkzeugen über komplexe Technologien bis zu den modernen Medien) geprägt ist. Die alle Lebensbereiche durchdringende Technik als bereichernd für alle Menschen und nicht als bedrohlich oder zerstörerisch zu sehen und zu gestalten, sieht die Fakultät Rehabilitationswissenschaften als eine zentrale Entwicklungsaufgabe der Wissenschaft.
Mit dem Profilschwerpunkt „Ethik – Technik – Umwelt“ orientiert sie sich an der Neuausrichtung der TU Dortmund und ebenso an den Forschungsdesideraten des kommenden Jahrzehnts. Unter dem Aspekt einer nützlichen und nachhaltigen Technik für alle wird neben technischem „know how“, insbesondere für die tägliche Lebensführung von Menschen mit Einschränkungen, auch die gesellschaftliche Umsetzung stark gemacht. Ziel ist, eine technisch gestützte Umwelt für alle Menschen nach dem Konzept der Barrierefreiheit zu gestalten. Die Rahmenbedingungen für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit allen Kompetenzausprägungen und in allen Lebensaltern werden erforscht und entwickelt sowie Fragen des angemessenen Ressourceneinsatzes geklärt (unter der „Human Resources“ und der Kostenperspektive). Im Forschungsfeld „Universal Design – Design for all“ wird der Weg aus einer „Nische“ zum „Mainstream“ konsequent verfolgt, aber zugleich der komplementäre Bereich Assistive Technologien weiter entwickelt.
Ethik, Technik, Umwelt, meint für die Fakultät Rehabilitationswissenschaften ebenso, mit Technikfolgen (besser) umgehen zu lernen. Die wertbezogenen und normativen Dimensionen des Umgangs mit Technik werden aufgedeckt, die Technisierung der Medizin ebenso wie die Entwicklung der Biologie, Biomedizin und Biotechnologie werden als Aufgabe neuer ethischer Betrachtung gesehen. Die verstärkte Reflexion der Spannung zwischen technisch Möglichem, ökonomisch Nützlichem und human wie sozial Gewünschtem oder Gesolltem schließt die Fakultät Rehabilitationswissenschaften daher in ihre Zukunftsplanung mit ein.
Rehabilitation soll Menschen die Chance auf ein Leben in der Gemeinschaft geben, wozu gesellschaftlich über Bildung und Förderung bzw. Sozialhilfe und ihre Systeme hoch investiert wird. Die Fakultät Rehabilitationswissenschaften wird sich verstärkt anstrengen, wissenschaftlich basierte Kenntnisse zur (päd- bis gera-)agogischen, therapeutischen und ästhetisch-emotionalen Investition in Menschen mit Unterstützungsbedarf über die bestehenden und sich verändernden Systeme und Strukturen der Rehabilitation zu gewinnen. Denn unter den Zukunftsbedingungen einer „ergrauenden“ und „entgrünten“ Bevölkerung ist der effektive und effiziente Mitteleinsatz in der Rehabilitation (Ressourcenorientierte Rehabilitation) ein „wichtiges Zukunftsthemen“ in diesem Wissenschaftsfeld.
Bei der Umsteuerung von Versorgungssystemen zu einer nachhaltig und ressourcenorientiert ausgerichteten Unterstützungskultur und –struktur, setzt die Fakultät auch zukünftig einen wissenschaftlichen Schwerpunkt, vor allem im Bereich „unterstützte inklusive Pädagogik“, ästhetische Bildung, „supported living/personal support”, „community care/managed care“ und “supported employment”.